Erleben
Was wir an Schwebedialogen so lieben, ist, dass wir vorher nie wissen, was sich zeigen wird. Fokussierte Gespräche finden oft gute Antworten, richten den Blick aber auf einen bestimmten Ausschnitt. Im Schwebedialog kommt auch das Drumherum ins Bild: wie Menschen eine Situation wahrnehmen, was sie beschäftigt, was ihnen fehlt und was ihnen Kraft gibt oder nimmt. So entsteht schnell Orientierung und ein intensiver Kontakt, bei dem jede Person für ihre eigene innere Landkarte verantwortlich bleibt.
Schwebedialoge tauchen an vielen Orten auf. Hier findest du, an welchen.
Paare und Familien
Je näher wir Menschen sind, desto schneller glauben wir zu wissen, was ihr Verhalten bedeutet. Schweigen heißt dann: Du willst nicht mit mir reden. Eine genaue Frage klingt wie Kritik. Wer unter Stress Ordnung schafft, wirkt kontrollierend; wer sich zurückzieht, desinteressiert. Vielleicht versucht da jemand, den Überblick zu behalten, niemanden zu belasten, eine Antwort zu finden oder erst wieder bei sich anzukommen.
Im gemeinsamen Alltag ist selten Zeit, diesen inneren Gründen nachzugehen. Vieles fällt unter den Tisch, obwohl es längst mit am Tisch sitzt. Im Schwebedialog kann jede Person zeigen, was von außen nicht zu sehen war. Die anderen hören zu, ohne zu korrigieren oder sofort zu antworten. Manchmal wird dann erkennbar, wie verschieden Menschen die Welt am selben Tisch erleben und welcher inneren Logik ein Verhalten folgen kann, das von außen ganz anders aussieht.
Teams
In Teams wird meist das besprochen, was bereits einen Tagesordnungspunkt hat. Daneben wirkt vieles mit, für das es noch keinen Satz gibt - eine Beobachtung, ein Zweifel, Überlastung, eine Ahnung oder Wissen, das in keine Tagesordnung passt.
Am Anfang eines Projekts kann ein Schwebedialog zeigen, wo jede Person steht, was sie beschäftigt und was die Zusammenarbeit erleichtern oder behindern könnte. Später kann er wieder Orientierung geben, wenn sich vieles verändert hat oder die Menschen hinter ihren Funktionen aus dem Blick geraten sind. Weil daraus noch kein To-do und keine Entscheidung werden muss, dürfen auch unfertige Gedanken auftauchen. Nach unserer Erfahrung kommen die Beteiligten dabei in kurzer Zeit tiefer miteinander in Kontakt und sehen klarer, welche Themen in ihrer Zusammenarbeit tatsächlich eine Rolle spielen.
Planung und Entscheidungen folgen außerhalb des Schwebedialogs; an Lösungen wird erst mit zeitlichem Abstand gearbeitet.
Fachpersonen in Beratung, Bildung und Gruppenarbeit
Fachliche Gespräche beginnen aus gutem Grund mit einer Auftragsfrage. Sie bündelt die Aufmerksamkeit; was außerhalb liegt, wird leicht übersehen. Manches Wesentliche kommt deshalb erst spät zur Sprache, anderes gar nicht, weil niemand auf die Idee gekommen wäre, danach zu fragen. In einem vorgelagerten Schwebedialog wählen die Menschen zunächst selbst, welche Themen sie einbringen. So können Fachpersonen ihnen umfassender begegnen und früh erfahren, was sie gerade wirklich bewegt. Kolleg:innen berichten uns von einer merklich anderen Qualität der anschließenden Lösungsarbeit. Sie trennen beides bewusst voneinander - etwa mit einem Schwebedialog am Vorabend und der fachlichen Weiterarbeit am nächsten Tag.
Weiterbildungen
Unsere Weiterbildungen richten sich an Menschen, die Schwebedialoge in Teams oder in ihrer professionellen Arbeit mit Einzelnen und Gruppen einsetzen möchten. Wer das Format anleiten will, erlebt es bei uns zuerst selbst. Danach geht es um einen tragfähigen Rahmen, Freiwilligkeit und Macht, den Umgang mit schwierigen Themen sowie die Grenzen der eigenen fachlichen Rolle.
Kontakt
Wenn du einen Schwebedialog erleben oder lernen möchtest, wie du ihn in deinem Arbeitsfeld einsetzen kannst, schreib uns.